Worum geht es in diesem Artikel:
- Was ist Zahnfleischschwund?
- Wie entsteht Zahnfleischschwund?
- Welche Folgen Hat Zahnfleischschwund?
- Was hilft bei Zahnfleischschwund?
- Weitere Tips für ein gesundes Zahnfleisch.
1. Was ist Zahnfleischschwund?
Von Zahnfleischschwund, oder auch Zahnfleischrückgang spricht man, wenn sich das Zahnfleisch hinter die Grenze zwischen dem glänzenden, hellen Zahnschmelz und dem matten, meist etwas dunkler gefärbten Zahnhals zurückzieht. Je nach Ausdehnung unterscheidet man unterschiedliche Schweregrade von Zahnfleischschwund. In den leichtesten Fällen wird die Übergangszone zwischen Zahnschmelz und Zahnhals gerade sichtbar, in den schwersten liegt ein Großteil des Zahnhalses frei und der Zahn lockert sich infolge begleitender Entzündung und Schädigung des Kieferknochens (vgl. Kwon et al.).
Man kann Zahnfleischschwund meist selbst feststellen, weil er fast immer an der wangenseitigen Fläche der Zähne auftritt. Es können ein, mehrere oder viele Zähne betroffen sein.
Zahnfleischschwund ist sehr häufig: Im Alter zwischen 18 und 64 Jahren ist jeder Zweite davon betroffen, ab dem 65. Lebensjahr betrifft die Veränderung bereits neun von zehn Menschen. Generell leiden mehr Männer als Frauen unter Zahnfleischschwund (vgl. Kassab et al.).
2. Wie entsteht Zahnfleischschwund?
Bei Zahnfleischschwund sind zwar häufig Faktoren wie Zahnstellung und anatomische Besonderheiten der Kieferknochen vorhanden, dennoch ist Zahnfleischentzündung – mit dem medizinischen Fachausdruck „Gingivitis“ bezeichnet - eine Hauptursache.
Zahnfleischentzündung entsteht meist durch das Eindringen von Keimen die sich im Zahnbelag – auch Plaque genannt -entwickeln. Zahnbelag bildet sich laufend an den Zahnoberflächen, sowohl an den sichtbaren Stellen außerhalb des Zahnfleisches als auch in den „Zahntaschen“, unterhalb der Linie wo Zähne und Zahnfleisch aneinander grenzen.
Im Durchschnitt beherbergt jeder Mensch 50 bis 200 verschiedene Keime (Bakterien, Viren, Pilze) im Speichel, das sogenannte Mundhöhlenmikrobiom. Zahnbelag besteht aus einem Gemisch von Mikrobiom, Eiweißkörpern aus dem Speichel und Nahrungsresten. die einen sogenannten „Biofilm“ bilden, der überraschend fest an den Oberflächen haftet (vgl. Valm; vgl. Kassab et al.)
Im Anfangsstadium ist der Belag noch weich, und fühlt sich mit der Zunge „pelzig“ an. Wird er nicht oder unzureichend entfernt, kommt es letzlich zu Einlagerung von Mineralstoffen aus dem Speichel, und der Belag wird zum harten, sogenannten Zahnstein. Auf dessen rauer Oberfläche bildet sich der Zahnbelag noch leichter, in dessen pöröse Struktur wandern Keime ein, und lassen sich von dort kaum mehr entfernen. Während man den weichen Zahnbelag durch verschiedene Maßnahmen selbst entfernen kann, lässt sich Zahnstein nur durch professionelle Maßnahmen bekämpfen.
Dringen Keime aus dem Zahnbelag oder aus dem Zahnstein in das Zahnfleisch ein, kommt es zur Zahnfleischentzündung. Das Zahnfleisch schwillt dabei an, weil Entzündungszellen aus dem Blut einwandern, und die Erreger bekämpfen. Manchmal kommt es auch zu Rötung, zu Schmerzen. Ein typisches und sicheres Zeichen von Zahnfleischentzündung sind Blutungen beim Zähneputzen oder beim Biss z.B. in knackiges Obst oder Gemüse. Geringgradige Entzündungen bleiben von den Betroffenen oft unbemerkt, der Zahnarzt kann sie jedoch u.a. durch Andrücken einer kleinen Sonde, die bei Entzündungen Blutung auslöst, feststellen (vgl. Heitz-Maifield et al.).
Ist die Entzündung abgelaufen, ist eine minimale, nicht merkliche Schrumpfung des Zahnfleisches die Folge. Treten jedoch immer wieder Entzündungsereignisse auf, führen die wiederholten Schrumpfungsereignisse letzlich zum sichtbaren Zahnfleischschwund.
Weitere Riskofaktoren, die den Zahnfleischschwund begünstigen können sind Zahnstellungsfehler, Diabetes und Zigarettenrauch (vgl. Kwon et al.).
3. Welche Folgen hat Zahnfleischschwund?
Nicht wenige Menschen weisen ausgeprägten Zahnfleischschwund auf, ohne ihn zunächst überhaupt zu bemerken. Früher oder später hat Zahnfleischschwund jedoch schwerwiegende Folgen:
Während gesundes Zahnfleisch die Zähne dicht umschließt, und so das Eindringen von Keimen verhindert, liegen die Zahnhälse bei Zahnfleischschwund in kleinerem oder größerem Ausmaß frei. Dadurch können Keime über den ungeschützten Halteapparat leicht in den Zahn eindringen, und zu Zahnfäule (Karies) führen. Freiliegende Zahnhälse sind außerdem mitunter schmerzempfindlich (vgl. Kassab et al.).
Jeder Zahn ist durch Bindegewebe, den sogenannten Halteapparat, am Kieferknochen befestigt. Dringen Keime in diesen Halteapparat ein, kommt es zur sogenannten Parodontitis. Sie kann zwar als als grundsätzliche Folge schlechter Mundhygiene auftreten, wird aber mit zunehmendem Zahnfleischschwund häufiger, weil dabei die dichte, schützende Verbindung zwischen Zahnfleisch und Zahn verlorengeht. Besteht die Entzündung längerfristig, zerstört sie allmählich den Zahnhalteapparat, sodass sich die Zähne lockern. Letzlich kann auch der Kieferknochen mitbetroffen sein, und Zahnverlust die Folge sein (vgl. Heitz-Maifield et al.).
4. Was hilft bei Zahnfleischschwund?
Die wichtigste Maßnahme, um Zahnfleischschwund zu stoppen, ist eine konsequente und wirksame Mundhygiene. Zahnbelag als Hauptursache des Zahnfleischschwundes bildet sich ständig nach. Zur Entfernung des Zahnbelages ist es daher nötig, die Zähne morgens und abends ca. 2 bis 3 Minuten lang gründlich zu putzen. Mit der Zahnbürste allein lassen sich im Durchschnitt jedoch nur etwa 70 % der Zahnoberflächen erreichen. Rückstände bleiben vor allem in den Zahnzwischenräumen und am Zahnfleischsaum zurück. Deshalb ist die Reinigung der Zahnzwischenräume unverzichtbarer Bestandteil der täglichen Mundhygiene, um Zahnfleischentzündungen und damit auch Zahnfleischschwund wirksam vorzubeugen.
Genau dort setzen moderne Verfahren wie die photodynamische Reinigung mit manadental an: Hierbei werden Bakterienrückstände zunächst mit dem speziellen manadental liquid eingefärbt - anschließend mit Licht aktiviert und gezielt eliminiert. Studien zeigen, dass diese Methode 99,9 % wirksamer ist als herkömmliche Mundspülungen und nach nur vier Wochen zu einer Verbesserung der Zahnfleischgesundheit um fast 50 % führen kann. Aufgrund dieser Erfolge wird manadental bereits von vielen Zahnarztpraxen empfohlen.
Während Zahnfleischentzündungen behandelbar sind, wächst einmal geschrumpftes Zahnfleisch spontan leider nicht mehr nach. Bei Zahnfleischschwund ist es in erster Linie wichtig, ein weiteres Fortschreiten des Verlustes an Zahnfleisch zu verhindern (vgl. Kwon et al.). Auch hier bildet eine verlässliche tägliche Reinigung das Fundament der Besserung.
5. Weitere Tips für ein gesundes Zahnfleisch:
Auch bei der Mundhygiene kommt es auf die Dosis an: Zu häufiges, zu langes und zu intensives Zähneputzen mit falscher Technik (zu starker Druck, zu harte bzw. rissige Borsten) kann das Auftreten von Zahnfleischschwund sogar fördern: Ständig wiederkehrende, kleinste Verletzungen des Zahnfleisches beim Putzen führen dabei ihrerseits zu Entzündung die wiederum Rückgang und Schwund des Zahnfleisches bewirken (vgl. Van der Weijden, Timmerman et al.).
Da die Borsten auch der besten Zahnbürste rasch abgenutzt und rissig werden und allein dadurch Verletzungen des Zahnfleisches entstehen, soll die Bürste alle 2 Monate ausgetauscht werden.
Rauchen fördert die Entstehung von Zahnfleischentzündungen und damit auch von Zahnfleischschwund. Daher soll der Zigarettenkonsum gestoppt werden (vgl. Valm).
Ernährung spielt ebenfalls eine Rolle: Da Bakterien besonders gut im zuckerhaltigen Milieu wachsen, sollten zuckerhaltige Nahrungsmittel sparsam und bevorzugt zu den Hauptmahlzeiten, aber nicht ständig als „Snacks zwischendurch“ gegessen werden (vgl. Valm).
Professionelle Zahnreinigung durch einen Zahnarzt sollte auch bei sorgfältiger Mundhygiene einmal pro Jahr im Rahmen der zahnärztlichen Vorsorge erfolgen. Dadurch werden auch kleinste Anlagerungen von Zahnstein entfernt (vgl. Wei et al.).
Literaturverzeichnis:
Kwon, T., Lamster, I. B. & Levin, L. (2021). Current Concepts in the Management of Periodontitis. International Dental Journal, 71(462−476).
KASSAB, M. M. & COHEN, R. E. (2003). The etiology and prevalence of gingival recession. American Dental Association, 134.
Valm AM. The Structure of Dental Plaque Microbial Communities in the Transition from Health to Dental Caries and Periodontal Disease. J Mol Biol. 2019 Jul 26;431(16):2957-2969.
Heitz-Mayfield LJA. Conventional diagnostic criteria for periodontal diseases (plaque-induced gingivitis and periodontitis). Periodontol 2000. 2024 Jun;95(1):10-19.
Van der Weijden F, Slot DE. Oral hygiene in the prevention of periodontal diseases: the evidence. Periodontol 2000. 2011 Feb;55(1):104-23.
Wei, Y., Dang, G., Ren, Z., Wan, M., Wang, C., Li, H., Zhang, T., Tay, F. R. & Niu, L. (2024). Recent advances in the pathogenesis and prevention strategies of dental calculus. Npj Biofilms And Microbiomes. https://doi.org/10.1038/s41522-024-00529-1